Montag, 13. September 2010

Ribeauville im Elsass und ein Abschied

Am Sonntagnachmittag machten wir uns wieder auf ins Elsass; diesmal fuhren wir nach Ribeauville. Ribeauville liegt wie die anderen elsässischen Orte, die wir bisher besucht haben, an der sog. elsässischen Weinstraße.
Am Ortseingang fand ein gerade ein großer Flohmarkt statt und ich hätte schon das eine oder andere Teil gefunden.
Auch Ribeauville ist wieder ein wunderbarer Ort, mit kräftigbunten oder auch pastellfarbenen Straßenzügen, mit engen Gassen und blumengeschmückten Häusern, viel Fachwerk und Fassadenmalerei, mit Cafes und Geschäften - kurz, es gibt einfach sehr viel zu sehen und zu bestaunen.




Mit der Pferdekutsche können sich die Besucher durch die Stadt fahren lassen.



Was für eine Farbenpracht, mal kräftig



oder auch in hell.





Eine alte Haustür, geschmückt mit einem wunderschönen und detailreichen Türgitter aus weiß lackiertem Gußeisen.



Die schönen Häuser im Zentrum sind alle aneinander gebaut



und reich verziert.




Es gibt schöne Ladenschilder zu bestaunen



und alle Fenster sind blumengeschmückt.




Der Eingang dieses Hauses ist komplett aus Holz geschnitzt und zeigt rechts und links Löwenköpfe



und gehört zu einer nostalgischen Apotheke.



Einer der vielen Läden.



Noch mehr Fachwerk



und diese kunstvoll ausgesägten Ornamente



schmücken die unteren Fensterläden dieses Hauses.



Und auch hier taucht hie und da das schöne kräftige Elsässer Blau auf.



Sehr alte Grabstätte,




die gegenüber einer großen Kirche liegt, von der ich euch hier ein beeindruckendes Ornamentfenster zeige.



Die winzigen Gärten hinter den schönen Häusern des Zentrums sind eher Gartenhöfe und recht versteckt gelegen.



Zwei Villen, etwas abseits der Hauptstraße gelegen und




in einer der Nebenstraßen sahen wir diese süße Katze, die unsere Hunde zwar genau beobachtete, aber ganz ruhig und gelassen sitzenblieb.




Eine der vielen von der Hauptstraße abzweigende und immer enger werdende Gasse



und ein sehr schönes und sehr großes Villengebäude.



Einige Häuser haben schöne Erker.







Eine sehr alte Inschrift über einem Hauseingang,



hier etwas größer fotografiert.





Der Ausflug hat mir sehr gut getan und wir werden ganz sicher noch öfter ins Elsass fahren, wo es soviel schönes gibt.
Und Schönheit brauchte ich gestern ganz dringend.

Wie ich im vorigen Post schrieb, nahm ich gestern vormittag meine Hunde mit ins Pflegeheim. Ich hatte bei meiner Schwiegermutter eine Lederhandtasche geschnorrt, die ich Frau D. als Ersatz für ihre schon recht durchlöcherte Tasche mitbrachte und ich hatte Frau K. und Herrn X. versprochen, daß ich mit den Hunden vorbeikomme.

Herr X.
Er mochte Rambo immer ganz besonders gerne und ich wollte ihm eine Freude machen. Es ist jener Herr X., von dem ich im Post "Therapiehund" schon mal erzählt habe. Ein sehr schwieriger Mensch, der einigen von uns Pflegern das Leben schon zur Hölle machen konnte. Anpassung, nein das kannte er nicht.
Die ersten Male, die ich ihn pflegte, waren schlimm - soviel Ablehnung und Aggression haben mir Angst gemacht. Doch dann erfuhr ich Teile seines früheren Lebens, versuchte ihn zu verstehen und durch meine beiden kleinen Hundezwerge fand ich tatsächlich einen Weg zu ihm. Wir machten in meiner Freizeit einige Spaziergänge in den Weinbergen, ich schob Herrn X. im Rollstuhl, Rambolausi auf seinen Schoß gekuschelt, Zorro nebenher trabend. Er sagte nie Bitte oder Danke, aber ich weiß daß die Spazierfahrten und die Hunde ihm Freude gemacht haben.
Einmal, als wir uns zwei Wochen nicht gesehen hatten, meinte er, der fast nie sprach, recht vorwurfsvoll: Wo warst Du denn solange? Begrüßt wurde ich von ihm auch oft mit "Guten Morgen" und verabschiedet wurde ich auch - etwas was er sonst so gut wie nie machte.
Er hatte sein Zimmer in einem anderen Stockwerk und wenn gar nichts mehr ging, wurde ich zu ihm gerufen. Ich hab es wirklich gerne getan und glaube, daß er das auch gespürt hat. Ab und an hatte ich an seinen schwierigen Tagen auch Rambo mit dabei, um ihn abzulenken. Dann merkte ich, daß ich Rambo eigentlich gar nicht mehr brauchte um an ihn heranzukommen, denn Herr X. fing an mich zu mögen - auch ohne Hund. Das hat mich unsagbar glücklich gemacht - von einem sehr kranken und einsamen Menschen Gefühle entgegengebracht zu bekommen. Einmal wollte er mich nicht mehr gehen lassen, so stark war seine Sympathie inzwischen geworden. Ich hatte nie Schwierigkeiten mit ihm, obwohl er sehr rabiat sein konnte.

Und gestern kam ich ... zu spät!
Herr X. war plötzlich und überraschend eine Viertelstunde vorher gestorben.
Meine Gefühle kann ich nicht beschreiben.
Die letzten Tage, in denen sich sein plötzlicher Tod eigentlich nicht angekündigt hatte, war er sehr milde, ja sogar freundlich gestimmt. Ich glaube, er hatte seinen Frieden mit der Welt gemacht.
Er ging schnell, leise und friedlich von dieser Erde und es ist mir ein Trost, daß er nicht gelitten hat.
Ich könnte noch soviel von ihm erzählen, doch zum einen ist es zu persönlich, zum anderen weiß ich auch nicht ob das wirklich einer würde lesen wollen.

Irgendwie waren wir Freunde geworden und das macht mich sehr glücklich. Er wußte, daß ich ihn ins Herz geschlossen hatte.
Jeder Mensch hat etwas liebenswertes.

Besonders schön finde ich, daß ein Verwandter am Vortage noch mit ihm eine Spazierfahrt gemacht hat und er die warme Sonne spüren konnte. Er war immer gerne draußen gewesen.

Herr X. hat sich einen wunderschönen Spätsommertag für seinen Heimgang ausgesucht.


Stille Grüße,
Tanja

Kommentare:

  1. Liebe Tanja,
    deine Bilder vom Elsass sind traumhaft schön - und ich bedauere, dass wir nicht mehr gesehen haben im letzten Jahr.
    So kann ich mich an deinen Bildern erfreuen.
    Es ist auch irgendwie schön zu lesen, dass du so eine schöne "Beziehung" zu diesem alten Menschen hattest - trauere nicht - er hat es jetzt gut und dir bleibt die Gewissheit, dass du ihm seine letzten Tage und Wochen auf so liebevolle Weise verschönert hast.
    lg. Ruth

    AntwortenLöschen
  2. Hallo Tanja

    I've never been but would love to go to.
    beautiful houses and streets and colors.
    great pictures it's like I've been there.

    greeting Irmaxxx

    AntwortenLöschen
  3. Hallo Tanja, Deine Bilder aus dem Elsass sind so schön so einladend man möchte sich direkt auf den Weg machen.
    Aber Dein Post hat mich auch sehr traurig gemacht,denn meine Oma hat Ihre letzten 2 Jahre auch in einem Heim verbracht, Es war zu Hause nicht mehr möglich. Sie hatte starke Demenz und war zum Schluß sehr agressiv.
    Ich hoffe sie hatte trotzdem jemanden in dem Heim der es gut mit ihr meinte, Denn ich habe sie bis zum Schluß geliebt egal wie sie war.

    Ganz liebe Grüße
    Beate

    AntwortenLöschen
  4. Liebe Tanja,

    ich bewundere deinen Einsatz, finde es selbst sehr schwierig mit alten Menschen umzugehen, habe immer mit Kindern gearbeitet.....
    Aber sowohl in der Arbeit mit jungen oder alten Menschen darf man nicht zuviel Emotionen mit nach HAuse nehmen, was oft leichter gesagt als getan ist.

    Bei deinem Ausflug kann ich mir vorstellen , dass du gar nicht wusstest, wo du die KAmera zuerst hinhalten sollst,oder :o)
    Schoene Eindruecke hast du eingefangen!

    Ich wuensche dir eine schoene Woche und sende dir liebe Gruesse
    Neike

    AntwortenLöschen
  5. Ich weiß genau, welche Gefühle du in deinem Post beschreibst, und ich bewundere dich dafür.
    LG CLaudia
    PS Ich glaube, ich muss auch einmal in den Elsass fahren. Deine Bilder machen Lust dazu.

    AntwortenLöschen
  6. Liebe Tanja,
    dass Herr X seinen Frieden mit der Welt machen konnte, war dein Verdienst, weil du seine verhärteten Barrieren aufgeweicht hast. Du hast mit deinen Hunden und durch das Teilen deiner Lieblinge mit Herrn X ihn überzeugen können, dass deine Freundlichkeit keine geschäftsmäßige Höflichkeit war, sondern generös verschenkte Herzlichkeit. Der starke Reiz, der von Tieren ausgeht, ist ihre Ehrlichkeit. Tiere berechnen nicht, wem sie ihre Freundlichkeit schenken, das spüren auch Menschen, die an körperlichen oder seelischen Einschränkungen leiden. Ich glaube nicht, dass es für ihn viel verändert hätte, wenn du in der letzten Stunde bei ihm gewesen wärest. Das große Geschenk der Zuneigung hast du ihm viel früher gemacht und ihm damit wieder eine Perspektive für ein lebenswertes Dasein gegeben. Er wird schon vorher gespürt haben, dass es für ihn zu Ende geht. Schön, dass auch noch jemand aus der Verwandschaft zu ihm gekommen war. Du hast unglaublich viel für ihn bewirkt.
    Deine Elsassbilder sind wunderschön. Konntest du die Inschrift lesen? Der Hausherr, der 694 das Haus renovierte, hat die damals aktuellen preise für Weizen, Korn und Kellerwein vereweigt.
    Schöne Grüße, Johanna

    AntwortenLöschen
  7. Hallo Tanja,

    schon lange wollten wir einmal ins Elsass, nach deinen Bildern wird der Wunsch größer. Es sind ganz reizende Bilder die du gemacht hast. Ich werde es weiter im Blick behalten.

    Danke auch für deinen Kommentar, ist zwar schon wieder einiges her, aber ich wollte mich trotzdem daraufhin kurz melden.

    Zu der Situation mit dem Strich. Nein- ich denke nicht das die Blicke in dem Sinne böse waren. Eher so wie ich es beschrieben habe. Unsicher, stolz....um ihre Würde zu bewahren.

    Ich wünsche dir einen schönen Tag heute undfreue mich immer wieder von dir zu hören.
    Liebe Grüße
    Ina

    AntwortenLöschen
  8. These photos are beautiful...I love the architecture of the old buildings, and the cobblestone streets...gosh, what I would give to visit where you live...thanks so much for taking me on this tour...what a treat for me :)
    Big Hugs,
    Queenie

    AntwortenLöschen